KW 40 – RaceWeekend SwimRun Allgäu

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KW-40 – die ganz besondere Woche. Da ich bis zum Wochenende nichts weiter außer Blackrollen und Dehnen gemacht habe, folgt nun direkt der Bericht zum 2. Allgäuer SwimRun  – Weekend. Dieses Event stellte für mich eins DER diesjährigen Veranstaltungen dar und ich freute mich riesig darauf.

Das kalte, bergige, schnelle Abenteuer: 

Marie und ich teilten uns im Allgäu ein Ferienhaus mit dem Team SchittBros und Sebastian, meinem Teampartner. Unsere Anreise war am Freitag vom sonnigen Ulm. Im Allgäu angekommen zogen bereits dunkle Wolken auf, die Temperatur war um einiges niedriger, starker Graupel setzte ein. Nachdem das schöne Ferienhaus bezogen war, beschlossen Sebastian und ich die kurze Niederschlagspause zu nutzen und die Beine etwas zu aktivieren, indem wir eine kurze Passage der Strecke abliefen. Die Beine fühlten sich gut an und schnell waren einige Kilometer zusammengekommen. Just in dem Moment als wir wieder im Haus ankamen, setzte der Regen ein. Nun ging es zur Startunterlagenabholung, Racebriefing und Kässpätzleparty. Es waren 9 Nationen in knapp unter 50 Teams vertreten. Wir trafen Freunde aus dem Trainingscamp und von anderen Veranstaltungen. Es war sehr schön, so viele bekannte Gesichter wiederzusehen. Später trafen wir uns alle im Haus und bereiteten unsere Ausrüstung vor. Heute hieß es früh schlafen gehen – also 00:00 Uhr 😀 .

Ich erwachte Samstag sehr früh mit einem rasenden Herz. Ich musste mich unbedingt wieder runterholen und ruhig werden. Mit einer wirklich guten Meditation und mentaler Vorbereitung ging es mir wieder um einiges besser. Ich fühlte mich nicht wirklich aufgeregt und auch mein Magen blieb ruhig. Nach dem Frühstück richteten wir uns und kamen pünktlich zum humanen Start um 10:00 Uhr. Das Wetter war eine große Überraschungskiste am heutigen Tage. Schnee-Regen-Sturm-Graupel-Kalt-Warm????? – Wir konnten im Trockenen und sogar mit etwas Sonne an den Start gehen. 🙂 Da der erste Lauf über ca. 8 Kilometer war, hatte ich meinen Neo bis zur Hüfte abgestreift.

Im Startblock stehend- auf der Start wartend – 3….2….1……. und los…..

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Wir starteten weit vorne und liefen den ersten drei Männerteams hinterher. Ich ließ mich etwas anstecken, doch Sebastian mahnte mich das Tempo etwas zu drosseln. Nach einer kurzen Straßen-Forstwegpassage folgte der erste Trailteil an einem kleinen Bachlauf. Es war so unglaublich schön. Wir legten ein ganz gutes Tempo an den Tag und, wie sollte es anders sein, war mir mal wieder zu warm 😀 . Bevor es zur Abbiegung in Richtung des sehr sehr steilen Berges ging, überholte uns noch ein Männerteam.

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Höhenprofil

Nun kam der Anstieg, welchen ich vorherige Woche bereits Test gelaufen bin. Wir leinten uns an und ackerten uns (vielleicht auch nur ich) nach oben. Am Spielplatz angekommen konnten wir es ganz kurz laufen lassen, danach folgte nochmal der sehr steile Teil mit Treppenstufen. Ich war etwas platt und wechselte hier in einen sehr schnellen Gehschritt. Puh. Das war hart. Oben angekommen ging es direkt weiter auf dem Forstweg. Hier hatten wir ein herrliches Panorama. Die Sonne schien und wir konnten sehr weit gucken, sogar die Zugspitze war sichtbar. Es dauerte nicht lange, dann kam der ultra steile und steinige Abstieg, vor welchem beim Briefing auch zur Vorsicht 2017-10-08 14.20.38gewarnt wurde. Ich konnte nicht meinen Bergabrollenlassenvorteil nutzen, da ich echt aufpassen musste, wo ich meine Füße hinsetzte. Also Tempo etwas drosseln. Nachdem wir den Ort passierten, fast noch falsch abgebogen wären, ging es auf Teer weiter bergab. Jetzt konnte ich aber so richtig Gas geben. BämBämBämBämBämBäm. Vor dem nächsten kleinen Gegenanstieg zog ich meinen Neo vollständig an. Das Management mit der ganzen Ausrüstung war gar nicht so ohne in dem Moment. Den Hügel hoch empfand ich als pure Quälerei. Ich fragte mich hier, wie ich den Berg später noch hochkommen sollte, wenn ich mir bereits jetzt schwer tat. :-/ Sebastian hat hier angefangen seine Schuhe im Neo zu verstauen und lief die letzte Meter in Socken. Nun begann die endgültige Vorbereitung auf das erste Schwimmen im Vorsee des Rottachspeichers. Wir freuten uns sehr auf das Wasser, da es in den Neos mittlerweile einer Sauna glich. An alles denken- ab ins Wasser. DAMN – Pullbuoy vergesse. Sehr sehr ärgerlich. Nach kurzem Korrigieren und Irritation von Sebastian (er wusste ja nicht, was los war) konnte es also losgehen. Die Wassertemperatur….es war ganz ganz kurz ein bisschen frisch. Aber die Stirn brannte nicht und am Körper war es sehr gut erträglich. Ich war sehr hektisch unterwegs und konnte meinen Rhythmus nicht finden. Ca 200 Meter später war das erste Schwimmen beendet. Nur 100 Meter weiter folgte das große Schwimmen mit ca. 800 Meter bei ca. 13°C. Der Wind verursachte einen gewissen Wellengang. Für mich war es das wildeste Wasser, in dem ich in der Form je geschwommen bin. ABENTEUER PUR!!!!!!! In diesem Abschnitt habe ich endlich meinen Rhythmus gefunden und konnte meine Schwimmbewegungen wieder sehr gut ausführen. So kämpften wir uns also an das andere Ufer. Aufgrund des aufgewirbelten (dreckigen) Wassers und der höheren Leinenbewegung durch Sebastians Beinarbeit und der Strömung  war es diesmal nicht so easy die Leine zu sehen.2017-10-08 14.21.30 Am anderen Ufer angekommen machten wir einen sehr schnellen Wechsel. Sebastian lief die folgenden ca. 2 Kilometer ohne Schuhe. Wie geschrieben empfand ich die Temperatur im Wasser ja vollkommen in Ordnung. Aber außerhalb!!!!!!! Der Wind war hier richtig kräftig und es schien keine Sonne. Meine Beinmuskeln waren eingefroren. Ich fühlte nichts mehr. Ich machte irgendwelche Bewegungen, aber so richtig koordinativ sah das wahrscheinlich nicht aus. Zu allem Überfluss hab ich meine halbe Leine noch fallen lassen und sie wickelte sich um meine Beine, sodass ich beinahe so richtig gestürzt wäre. Ich konnte meine Bewegung im letzten Moment stoppen und die Leine wieder entwirren. Puh. Immerhin wäre ein Rettungswagen direkt daneben gestanden 😉  😀 . Ich hatte wirklich mit den kalten Muskeln zu kämpfen. Ich wäre gerne schneller gelaufen, aber es ging einfach nicht. Bergab war eine noch viel schlimmere Katastrophe. Es tat einfach nur weh in den Oberschenkeln. Ich wusste nicht, ob ich mich auf das nächste Schwimmen freuen sollte oder nicht. Hier überholte uns ein weiteres Männerteam. Der Einstieg kam immer näher. Wir richteten uns. Meine Atemfrequenz war auf Höchstleistung. Ab ins Wasser. An dieser Stelle war der Rottachspeicher um einiges ruhiger. Wir hatten die Leine zu unserem Vorteil minimal verkürzt. Ich war direkt in meinem Rhythmus. Grandios. Tolles Schwimmen! Ich bewegte meine Füße immer wieder hin und her, ebenso die Beine. Retrospektiv hat das bzgl „irgendwie Wärme nach unten leiten“ absolut gar nichts gebracht. Nach ca. 900 Meter Schwimmen erreichten wir das Ufer – rauslaufen – Verpflegungsstand. Ich verbrannte mir die Zunge an einer viel zu heißen Brühe. Aua. Ein Schluck aus einem anderen Becher, eine Salzbrezel auf den Weg und schon ging es weiter. Sebastian wurde noch eine heiße Kartoffel angeboten. Hätte er sich ja in den Neo stecken können 😀 .  Holla die Waldfee! Jetzt würde nochmal ein richtig krasser Berg kommen und DANN würde es erstmal bergab gehen. Aber meine Beine waren so unglaublich kalt. Sebastian dagegen hatte Eisfinger. Den ersten Anstieg konnte ich noch ganz gut laufen. Dann ging es in den Wald hinein. Die Sonne strahlte richtig schön auf das Herbstlaub und wir genossen das volle Naturerlebnis, trotz der Strapazen.

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Ich versuchte gedanklich Wärme und Energie in meine Beine zu leiten und das seltsam kalte Muskelgefühl auszublenden. Meine Neo-Reißverschlüsse hatte ich bereits wieder geöffnet. Ja. Tatsächlich. Obenrum wurde es mir schon wieder zu warm. 😀 Verrückte Welt. Nach der Waldpassage folgte ein richtig richtig richtig richtig steiles Teerstück. Ich konnte nicht anders, ich musste gehen. Sebastian unterstützte mich mit der Leine. Ich war so froh, als es wieder eben wurde. Und dann ging es bei mir langsam wieder bergauf. Ab hier kannte ich die Strecke in- und auswendig. Meine Muskeln hatten sich „erholt“ und geistig kam ich aus meinem nichtsdenkenden Delirium wieder heraus. Am obersten Punkt legte sich bei mir ein Schalter um. Ich sagte zu Sebastian: “ jetzt geht´s bergab- ableinen“ und los ging´s. MEGA! Dieser Punkt ist für mich ein Highlight des Rennens. Zu diesem Zeitpunkt kam ich mir unglaublich leicht vor. Wir holten das eine Männerteam immer weiter ein. Bevor es zum nächsten Anstieg kam, leinten wir uns wieder aneinander und fegten den Hügel hoch, konnten das Männerteam sogar überholen. Wieder ableinen. Und DANN ging´s wieder so richtig bergab! Mir fällt dazu nur eins ein: BÄMBÄMBÄMBÄMBÄM. In Faistenoy war die nächste Verpflegungsstelle. Ich trank ein Schluck Wasser und lief direkt weiter. Sebastian kam hinterher. Jetzt ging es nochmal bergab, dann folgte eine einigermaßen ebene Passage am Ufer des Grüntensees entlang. Das nächste Männerteam war in Sichtweite. Auf der ebenen Strecke nahmen wir nochmal Eigenverpflegung zu uns. Mir war warm. Wir hatten Gegenwind. Ich merkte, dass die Pace hier geringer wurde. Fühlte mich aber nicht in der Lage schneller zu laufen. Gleich waren die neun Kilometer vorbei. Dann ging es in den kalten Grüntensee. Dieser hatte je nach Bereich 9-11°C ! 😯 Beim Reinrennen fand ich es wieder vollkommen ok. Ich trank noch ein zwei Schlucke und dann ging es los. Direkt vor uns das Männerteam. Die Sonne stand sehr tief und blendete. Gut, dass ich nicht für die Orientierung zuständig war 😉 . Ich fühlte mich wieder super. Plötzlich schwamm ich allerdings gegen eine Boje. 😀 Dann stellte ich fest, dass wir uns gerade mit dem Männerteam duellierten und es leichte Abdriftprobleme gab. Beim Atmen sah ich, dass schräg hinter uns plötzlich weitere grüne Kappen auftauchten. Also ein Mixed Team. Egal. Jetzt erstmal das Schwimmen durchziehen und dann gibt es sehr coole Abschnitte zum Laufen. Wir kollidierten noch mit dem immer weiter auf unsere Seite abdriftendem Männerteam. Die Situation löste sich aber direkt. Keiner hatte sich in einer anderen Leine verheddert. Sehr gut. Wir waren nun wieder an der vierten Position. Beim Ausstieg stand ich ganz kurz neben mir. Stellte mich neben Sebastian, der nicht verstand, warum ich nicht los lief. Achja. Loslaufen. Stimmt. Ups. Wo geht´s lang. AAAAH Hilfe. Es sieht alles so anders aus. Es gab hier nochmals einen Versorgungsstand, doch ich lies ihn aus.  Nach ca. 800 Metern sprangen wir wieder ins Wasser. 30 Meter Schwimmen. Auf der anderen Seite kletterte Sebastian sehr schnell über die Felsen. Nachdenken war jetzt nicht möglich. Unseren ersten Mixed-Platz wollten wir nicht mehr hergeben. Es folgten 1,2 km Laufen. Wenn ich mir meine Auswertung so angucke, kann ich sagen, dass ich wohl wieder ziemlich fit war. 😀 Und das so spät im Rennen. Beim nächsten Schwimmeinsteig gab es eine leichte Schuheinpackverzögerung und vor allem habe ich die Leine aufgrund der kalten Finger nicht eingeklickt bekommen. Zeitdieb und Stress. Auf diesen letzten Schwimmabschnitt mit 400 Meter gab es wieder Wellen und eine stärkere Strömung nach rechts. Meine Gefühle gingen nun mit mir durch. „BÄM. Das war das letzte Schwimmen. Gleich musst du nur noch diesen Berg zum Ziel hoch rennen.“ Am img-20171007-wa0011.jpgUfer zog Sebastian schnell seine Schuhe wieder an und ich hatte ein Problem die Strecke zu finden. Ich dachte es ginge rechts hoch. Die Leute riefen, aber mit dem Neo-Stirnband hört man nicht gar so viel. Was? Weißes Schild, ach da, direkt über die Wiese. Super. Ich war im Mega-Adrenalin-Schub. Unglaublich. Wir rannten auf der Ebene 4:30min/km. Ich bereitete mich gedanklich auf den Berg vor. Neo öffnen. ARME! ARME! BÄÄÄM! WIR SIND OBEN! Jetzt nur noch ins Ziel rennen. WUHUUUUUUUUUUUUUUU!!!!!!!!!! Wir sind im Ziel angekommen! Erstmal eine dicke Umarmung vom Veranstaltungsteam abholen und dann stolz wie Bolle auf UNS selber sein! Wir haben das Ding gemeinsam mit all seinen Herausforderungen durchgezogen. Und das äußerst erfolgreich. Ich verfiel direkt in einen leeren Zustand. Alles war so grandios. Es gab jetzt nichts mehr zu denken. Ich legte mich in die Sonne. Saugte die Wärme auf. Genoss den Moment.img-20171007-wa0016.jpg

Ich bedanke mich bei Sebastian, dass er mit mir an den Start gegangen ist, wir eine menge Spaß hatten, er mir meine Patzer vergibt 😉 und mich unterstützt hat. So wie es ausschaut, starten wir im Mai wohl wieder zusammen 😛 Wir hatten im Vorfeld das Rennen sehr gut geplant, sodass währenddessen bei den Wechseln, der Eigenversorgung und Leinenaktionen alles sehr flüssig und ohne große Worte ablief.

Ich gratuliere Marie mit ihrer Partnerin Tanja und Team SchittBros zu ihren Finishs. Und natürlich auch allen anderen Teams!  🙂 Alle waren großartig! Dem Veranstaltungsteam und allen Helfern gebührt ein großes Dankeschön!

Finish at Allgäu Swimrun 2017 #allgäu #allgäuswimrun #swimrun #swimrun #teamspirit #oy

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Nach einer warmen Dusche gingen wir zur Siegerehrung. Ich freue mich sehr über unsere praktischen Preise – HEAD Wärmemäntel und einen Freistart für das Honisch Rennen im Mai ´18.

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Am Abend feierten wir 5 Finisher unseren aller Erfolg bei Wein, Käse und Gesellschaftsspielen und absolvierten hier die zweite Sporteinheit. Diesmal für die Lachmuskeln.

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Weitere Bilder vom Wochenende:

(von mir, Sebastian & Veranstalter)

 

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