Jahresziel #2 – Ich setze ein Häkchen

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Nur zwei Wochen sind seit dem Allgäu-Rennen vergangen und nun stand ich wieder an einer Startlinie. Den 50km- Marathon mit 1100hm in Schwäbisch Gmünd hatte ich mir sehr früh als Jahresziel gesetzt und nun stand ich dort.

Herrliches Oktoberwetter, ein großes Läuferfeld, eine großartige Strecke und eine seelische Unterstützung machten das Rennen zu einem erfolgreichen Lauferlebnis.

Sebastian begleitete mich am heutigen Tage und startete auf der 25 km Strecke. Wir kamen in Schwäbisch Gmünd an und eilten zur Nachmeldung. Dort stellten wir fest, dass wir dringend meine Eigenverpflegung abgeben mussten. Ich rannte also zum Auto und holte meinen kleinen Beutel für Km 25 und rannte wieder zurück. IMG_20171020_222636.jpgWarmlaufen war somit abgeschlossen 😉 . Ich kam gerade noch pünktlich und konnte meine Eigenverpflegung noch ins Transportauto abgeben. Die Veranstalter hatten nicht genügend 50km-Startnummern, sodass ich eine 10k-Startnummer bekam. Bereits das Jahr zuvor, als ich das Rennen als Staffel lief, hatten wir eine „falsche“ Nummer. (Hier dachte man beim Zieleinlauf, ich sei die erste Frau der Gesamtstrecke. Große Verwirrung. Diesmal dachten sie wahrscheinlich, dass ich mich verlaufen hätte 😉 ) Wieder an unserem Auto stellte ich fest, dass der Rechte meiner Trail-Fives eine kleine Beschädigung im Fersenbereich aufwies und man hatte das Gefühl, dass noch etwas darin steckte. Auch nach mehreren Versuchen konnten wir den Störenfried nicht entfernen. Wird schon gut gehen. Mit Rucksack ausgerüstet ging es an den Start. In die „Startbox“ habe ich es aufgrund von Überfüllung nicht mehr geschafft. Machte aber nichts, da ich es locker angehen wollte und ganz sicher kein Pulver zu Beginn verschießen wollte. Mit guter Stimmung kam das Startsignal und die Menge schlängelte sich durch Schwäbisch Gmünd. Unterwegs traf ich noch den fotografierenden Peter Steiner, welcher später selber am 10km- Rennen teilnahm. Ein sehr spaßiger Spruch eines Mitläufers kam nach dem ersten Kilometer: „Jetzt sind es nur noch 49km!“ Ich habe sehr geschmunzelt. Nach vier gelaufenen IMG-20171021-WA0003.jpgKilometern kam der erste Anstieg. Auf meine Lauftechnik achtend bin ich sehr gut hochgekommen. Bergab sollte am heutigen Tage definitiv meine Stärke sein und überholte dabei immer einige Läufer. Nach ca. 13 Kilometern begann der erste richtig lange Anstieg zur Burg Hohenstaufen. Teilweise war es so steil, dass Laufen nicht mehr möglich war. Oben am Wendepunkt gab es zur Entschädigung der vielen Höhenmeter eine herrliche Aussicht auf die Ebene. Die Luft war sehr klar, sodass man recht weit gucken konnte. Viel Zeit zum Genießen blieb mir allerdings nicht, denn es warteten noch viele weitere Kilometer auf mich. Die Belohnung der Strapazen nach Oben war nun das Bergabrennen. Pfeilähnlich schoss ich an den Mitstreitern vorbei. Das ganze Rennen über hatte ich so ungefähr dieselben Läufer/innen um mich herum. Berghoch wurde ich überholt, bergab überholte ich. Der erste große Berg war nun überstanden, folgten noch zwei. Am nächsten war der 25km Punkt. Die große Läufermenge schob sich den Hohenrechberg nach oben. Mittlerweile gaben mir meine Finger wieder die Ehre anzuschwellen, was zu einem doofen Gefühl führte und v.a. hatte ich im weiteren Verlauf Probleme die Softflask zuzuschrauben. Sebastian wartete an diesem Anstieg mit seinem Bike bereits auf mein Kommen. Es tat sehr gut, ein motivierendes und bekanntes Gesicht zu sehen. Auf der weiteren Strecke stieß er immer wieder dazu und hielt sein Versprechen zurück zu grinsen, wenn ich grinste. 😀  Auf dem Weg zum Höhepunkt hatte man wieder eine geniale Aussicht. IMG-20171021-WA0005.jpgDafür lohnte sich diese Tortur. Ganz oben wünschte mir ein 25km-Läufer, mit welchem ich unterwegs einen kleinen Tratsch hatte, noch viel Erfolg für die weitere Strecke. So ein nettes Läuferfeld! Das muss ich wirklich betonen. Am Verpflegungsstand holte ich meine Eigenverpflegung ab und verpackte alles. Da ich meine „Nahrung“ sehr bedacht nur auf ebenen Passagen oder beim Gehen am Berg zu mir nahm um meinen Magen zu schonen, nahm ich an diesem Stand nichts zu mir. Diese persönlich wertvolle Taktik machte sich auch wirklich bezahlt. Die nun folgende Bergabpassage war unglaublich steil und schwer mit Fives zu laufen, sodass ich mein Tempo wirklich mäßigte. Es folgte eine längere, leicht wellige Passage, sodass ich mich ausgiebig versorgte. Nun folgte der dritte große Berg. Mit dem steilsten Anstieg. Hier oben war dann Kilometerpunkt 30.IMG_20171023_155357.jpg

Sebastian fragte mich berechtigterweise, ob mir es mir heute nicht zu warm wäre. Oh doch. Mir war es viel zu warm. Knapp 15°C (welche sich viel wärmer anfühlten) und sehr häufig direkte Sonneneinstrahlung. Ich genoss jeden Moment im Wald oder als zwischendurch Wolken die Sonne verdeckten und es kühler wurde.

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wenigstens einer lacht 😉

Der Weg zum Stuifen hoch begann sehr steil und verlief dann auf einem beinahe ebenen Trail. Dieser Trail war so unglaublich schön. Herrlich. Ich hatte hier einen Leistungstiefpunkt und genoss diese Passage gehend. Die nun eingestöpselte Musik hielt meine Laune oben. Am Ende des Trails kam eine wirklich unglaublich trailig steile Bergaufpassage. HEIDEFETZ. Oben angekommen habe ich erstmal Luft geholt bevor ich zum Bergabrennen bereit war. Zu dem Zeitpunkt war keine Höchstleitung erwartbar. Die Füße schmerzten auch etwas vom Untergrund. Von hier an kannte ich die Strecke, da ich diese im Jahr zuvor bereits gelaufen bin. Jetzt waren es nur noch 20km. NUR NOCH 20KM! Bei Kilometer 32 gab es wieder einen Versorgungsstand. Ich spürte eine langsame Verhärtung der Muskeln und griff zum getoasteten Toastbrot und schüttete Salz darauf. In dem Moment war es nicht nur verdammt lecker, sondern half meinem ganzen Körper. 😀 Nun ging es auf eine Schleife und auf dem Rückweg verlief die Strecke nochmals an diesem Stand vorbei. Auch hier gab es wieder eine sehr steiles Berghoch. Das Gute ist, wenn es berghoch geht, geht es irgendwann auch bergab. Das ständige hin und her Überholen mit den anderen Läufern war mittlerweile sehr witzig geworden. Am vorherigen Versorgungsstand ließ ich mir diesmal etwas mehr Zeit und aß in Ruhe mehrere gesalzene Toaststückchen und trank in Ruhe. An diesem Punkt legte sich in mir ein Schalter um. Alle bisherigen Strapazen waren weggewischt und es fühlte sich so an, als wäre das Rennen neu gestartet. Ich nahm auf dem langgezogenen Bergauf noch meine Wunderwaffe Sponser Activator und fühlte mich wie Popeye mit seinem Spinat. Ich stellte fest, dass die Läufer um mich herum gingen und ich noch rennen konnte. Unterwegs fragte ich meinen seelischen Unterstützer wo eigentlich die ausgeschriebene Coke hin ist. Enttäuschend musste ich erfahren, dass diese auf den Infozetteln im Anmeldebereich durchgestrichen wurde. ☹

IMG-20171021-WA0004.jpgBei Kilometer 37 ca. gab es nochmals einen Verpflegungsstand. Hier hielt ich mich nicht sehr lange auf, sondern nutzte meine Energie für diese richtig geile Bergabpassage, auf der ich wieder an einigen Läufern vorbeifegte. Im Anschluss machte sich Sebastian auf den Weg zum Ziel und ich bereitete mich auf die letzten 10 Kilometer vor. Ein Gegenanstieg würde noch folgen, dann geht es dauerhaft mäßig bergab zum Ziel. Nachdem der Anstieg gehend gemeistert wurde, ging es durch eine Ortschaft. Hier gab es nochmals einen Verpflegungsstand. Es gab COKE! Hätte ich sie nur nicht genommen, denn sie verursachte die Anfänge eines Magenkrampfes. EGAL. Nicht dran denken. Einfach weiteratmen. So eine S***** hält dich jetzt nicht mehr auf. Einen Kilometer später hatte sich der Magen wieder beruhigt. Ich war nun auf den letzten 7 Kilometern unglaublich fokussiert. Ich wollte nur noch ins Ziel. Wahrscheinlich hatte ich gerade die beste Lauftechnik denn je. Ich überholte einen Mitstreiter nach dem anderen. Mein Blick war nur nach vorne gerichtet. Hin und wieder spürte ich eine leichte Verkrampfung in den Beinen. Nicht drüber nachdenken. Direkt hinter mir war ein Läufer. Wir pushten uns gegenseitig in Richtung Ziel. Und dann endlich war die erlösende Linie in Sichtweite.

Boar. 50km in den Beinen. Ich konnte es kaum glauben. Ich habe mein Ziel erreicht. Ich habe quasi sofort vergessen wie anstrengend es war. Ich habe mich selber wertgeschätzt.

Völlig erschöpft habe ich mich erstmal hinsetzen müssen.IMG-20171021-WA0031.jpg Und ich hatte Hunger. Leider gab es nur Banane, was ich als sehr enttäuschend empfinde. Mit einem eigenen Proteinriegel habe ich mich erstmal über Wasser gehalten.

Während Sebastians Siegerehrung, er ist Sieger seiner AK geworden, hing ich im Eck und habe meine strapazierten Muskeln massiert. Ich glaubte, dass ich die kommende Woche keinen einzigen Schritt werde machen können.

 

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Auf der Heimfahrt berichteten wir uns gegenseitig von unseren Rennen. Daheim angekommen brauste ich meine Muskeln kalt ab und nutzte die Blackroll. Dieses Vorgehen werde ich bald patentieren lassen, da es jedes Mal zum Erfolg führt. 😀 Bereits am Abend konnte ich wieder ohne Probleme ganz normal laufen und Treppen gehen. Am Sonntag liefen wir entspannte acht Kilometer im wunderschönen Herbstwald und drehten eine kleine Runde mit dem Fahrrad. Und auch am Montag setzte keine „Laufstörung“ ein.

 

Und jetzt noch ein Resumee:

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Ob ich zwischendurch Zweifel hatte? NEIN. Für mich stand von Anfang an fest, dass ich diese Strecke meistern werde. Egal wie. Egal wie lange. Ich schaffe das. Und wollte sich doch ein negativer Gedanken einschleichen, wurde er verbannt und gegen Positive und Motivierende ausgetauscht. Eine Zeit lang hatte ich das Mantra „mach easy, mach easy, mach easy“. Und auf diese psychische Leistung bin ich sehr stolz, da ich auch anderes von mir kenne.

 

Zum ersten Mal habe ich eine Softflask benutz und ich bin sehr begeistert.

Meine Taktik mich zu ernähren, wenn der Magen einigermaßen „Ruhe“ hat, hat sich für meinen überaus empfindlichen Magen sehr bewährt.

Der kaputte Five hat zwar einen kleinen Schaden im Fuß hinterlassen, aber es ist zu verschmerzen. Eine längere/anspruchsvollere Strecke würde ich wahrscheinlich nicht mit Fives machen wollen. Irgendwann taten die Fußsohlen vom Untergrund doch etwas weh und die Zehenzwischenräume waren vom Bergab auch stärker beansprucht.

Ob ich nochmal auf so eine lange Distanz an den Start gehe? – Aber LOGO!

Schon was in Aussicht? – Klar! Der Genusslauf Kinitrail im Allgäu. Aber ganz entspannt 😉IMG_20171021_095146339_TOP.jpg

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